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Hard West könnte gut der Name eines Erotikfilms der 90er Jahre sein, doch das rundenbasierte Horror-Strategiespiel hat nichts mit nackter Haut, lüsternen Lippen oder prallen Brüsten zu tun.

„Hinweis zur Einordnung: Ich habe das Spiel einige Zeit gespielt, aber noch nicht durchgespielt. Mit dem Artikel möchte ich über meine bisherigen Erfahrungen und Eindrücke zu dem Spiel sprechen. Diese basieren auf ca. 6 Stunden Spielzeit.“

In Hard West erleben wir mit verschiedenen Charakteren eine bedrohliche und bedrückende Welt in der jeder Fehler bestraft wird. Atmosphärisch orientiert sich der Titel an der Stimmung von H.P. Lovecraft-Geschichten. Wo die bedrückende Stimmung anfangs noch gerne subtil im Hintergrund bleibt und nur durch übernatürliche Andeutungen oder „unglücklicher“ Zufälle hervorgehoben wird, dreht das okkulte innerhalb der weiteren Story-Szenarien deutlich auf. Zum Beispiel, sind wir einem schwarz gekleideten Mann mit verschmitztem Grinsen und düsterer Ausstrahlung begegnet, der uns ein Artefakt als Hilfe anbietet. Durch die gut geschriebenen Texte merken wir bei der Begegnung, dass an diesem Mann irgendwas nicht stimmt. Freunde der Serie Supernatural kommt der Dämon an der Kreuzung aus der ersten Staffel in den Sinn.

Die Geschichte wird in einem düsteren Comic-Look mit wenig Farben gehalten und der Tod selbst, tritt mit finsterer Stimme als Erzähler auf. Hier wird die erbarmungslose Welt anhand des Schicksalsschlags einer Familie, die von Banditen überfallen wird, gezeigt. Das Intro endet in einer ersten Tutorial-Mission in der wir das grundlegende Kampfsystem beigebracht bekommen.

Die rundenbasierten Kämpfe erinnern stark an die neueren X-COM-Teile, was sich im Western Setting gut abbilden lässt. Das heißt, wir steuern unsere Gefährten Zug um Zug in taktische Kämpfe von Deckung zu Deckung, flankieren unsere Gegner um die Trefferchance zu erhöhen oder nutzen besondere Fähigkeiten, wie zum Beispiel das Nutzen von Querschlägern, um Gegner hinter Deckungen besser zu treffen.

Geht ein Schuss daneben, verliert der attackierte Charakter Glück, solange bis er getroffen wird und Schaden erleidet. Es ist also nur eine Frage der Zeit bis man verwundet wird. Deckung reduziert die Trefferwahrscheinlichkeit und das abgezogene Glück und der Einsatz von Fähigkeiten kostet ebenfalls Glück. Man wägt also immer Risiko und Nutzen seiner nächsten Aktion ab. Das bringt zusätzliche Taktik mit in die Kämpfe. Natürlich spielt die jeweilige Waffe auch in die gewählte Taktik mit rein. Es wird immer ein Reichweiten-Modifikator angezeigt, der dynamisch anzeigt, auf welcher Reichweite welche Waffe effektiv ist.

Alle Charaktere haben Attribute, die sich durch Ausrüstung und Waffen verändern lässt. Pro Charakter können zwei Waffen, zwei Hilfsmittel (z.B. Heilkräuter, Tabak, …) und ein Ausrüstungsgegenstand ausgewählt werden. Dieser gibt Boni auf die verschiedenen Attribute, wodurch man denjenigen spezialisieren kann.

Noch weiter ausgebaut ist die Möglichkeit ein Kartendeck für die einzelnen Teammitglieder zusammen zu stellen. Jede Pokerkarte hat eine aktive oder passive Fähigkeit und erhöht eines der Attribute. Je nachdem welche Karten man in das Set packt, können zusätzliche Boni freigeschaltet werden. Zum Beispiel bei zwei gleichen Karten, einer Straße oder Full House. Ganz wie im richtigen Pokerspiel. Das Gefällt wirklich gut, da man so nicht nur auf die Fähigkeiten der Karte, sondern auch die Gesamtzusammenstellung bedenken muss.

Die Aktiven Fähigkeiten lassen sich in der Regel mit Glück im Kampf aktivieren, was dazu führt, dass der Charakter schneller von feindlichen Kugeln getroffen wird. Es ist also ein stetiges Spiel mit der Gefahr.

Die Ereignisse und Geschichten zwischen den taktischen Kämpfen spielen sich auf einer Gebietskarte ab. Diese gibt mit recht schlichten Mitteln die Umgebung wieder und hebt besondere Orte mit Spielfiguren hervor. Jedoch müssen viele dieser Orte erst durch andere Ereignisse oder Entscheidungen aufgedeckt werden.

An diesen Orten können verschiedenste Begegnungen erfolgen. Ein Händler bei dem wir Waffen kaufen können, ein Indianerstamm zu dem wir uns ans Lagerfeuersetzen können oder eine verlassene Goldmine, die noch den einen oder anderen Schatz beinhaltet. Doch, wenn ein Spiel schon Hard West heißt, dann gibt es hier nicht nur Gutes, es ist tatsächlich sogar eher, dass in den meisten Fällen eine Entscheidung verlangt wird und diese in den seltensten Fällen keine negativen Konsequenzen hat. Mal tragen wir eine Wunde, die unseren Charakter schwächt davon, mal verlieren wir unser hart verdientes Geld oder müssen einen unserer Gefährten opfern.

Die Auswirkungen lassen sich kaum vorhersagen und da das Spiel kein manuelles Speichern erlaubt, wiegen die Konsequenzen oft hart.

Was für einen Eindruck hinterlässt Hard West nun am Ende bei mir?

Das Leben im okkulten Westen ist hart und mühsam. Lange Kämpfe ohne Zwischenspeichermöglichkeiten, ein reduzierter Grafikstil, die permanenten Gefahren und Konsequenzen, die sich einem in die Quere stellen, all das muss man mögen. Lässt man sich darauf ein, so macht Hard West durchaus Spaß. Ein ausgereift, poliertes Strategie-Spiel, wie zum Beispiel die XCOM Spiele, ist Hard West nicht, eher der finster dreinblickende Indie-Bruder, den man auch mal einen Fehltritt verzeiht.

Das unverbrauchte Setting und die dichte, düstere Atmosphäre halten einen gut am Ball und auch die verschiedenen Szenarien bringen Abwechslung durch wechselnde Protagonisten mit eigenen Gameplay-Mechaniken mit sich. Am Ende können Freunde von rundenbasierten Kämpfen und knall harten Welten hier ruhig zugreifen.

Ich selbst werde es definitiv weiterspielen und mich durch den finsteren Western kämpfen.

About author

Robin

Hobbyschreiber / Podcaster mit einer Leidenschaft für Games, Filme und Comics. Am liebsten in Rollenspielen und Action-Adventures unterwegs, aber auch in andere Genres vertreten. Egal ob PC oder Konsole, Hauptsache es macht Spaß und weckt Begeisterung.

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