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Break in Alcatraz ist ein Koop-Brettspiel mit einem wundervollen Artwork sowie einem interessanten dreidimensionalen Spielbrett. Wie die Überschrift verrät, kämpft das Spiel mit einige Ecken und hinterlässt nicht immer nur Freude. Was das Spiel gut macht und was nicht, lest ihr in diesem spoilerfreien Artikel.

Ich liebe ja Spiele, bei denen der Spieler auch mal etwas rätseln muss und am besten im Team aggiert wird. Beim hiesigen Discounter fand ich vor Weihnachten auf dem Grabbeltisch das Brettspiel Break In Alcatraz von Schmidt Spiele. Die Idee zwischen den Feiertagen einfach mal in eine analoge Welt abzutauchen, war reizvoll und mich interessierte diese Art von Spielen sowieso schon länger. Am Silvesterabend sollte es nun soweit sein, gemeinsam einen großen Coup zu landen und seinen Kumpel Fränk auf dem Hochsicherheitsgefängnis zu befreien.

Das Spielbrett ist anfangs zusammengeklappt und gibt erst stückweise weitere Inhalte frei.

Break In Alcatraz kommt in einer schicken sechseckigen Verpackung nach Hause. Auf der Rückseite wird die Rahmenhandlung des Spiels zusammengefasst und es gibt sogar einen QR-Code, der zu einem Video führt, der das Spiel in Aktion zeigt. Ein bis sechs Spieler sollen mitmachen können und die Spielzeit ist mit 120 min angegeben.

Wirklich genial ist, dass durch ein Faltsystem die Spielwelt erst nach und nach aufgedeckt wird und sogar pysische Gimmiks versteckt sind. Das Artwork ist wirklich schön gezeichnet und jede Seite der Box wird für die Story und Rätselelemente genutzt. Der Spieler muss ständig mit der Spielbox interagieren, um die Herausforderung zu meistern. Wir beginnen mit einer kurzen Spielanleitung und den ersten Karten, die uns vor die ersten Herausforderungen stellen. Break In Alcatraz arbeitet mit Kartensets, die zum einen Aufgaben enthalten oder die Rahmenhandung erzählen – und es gibt Lösungskarten. Diese werden mit einem Rotfilter lesbar, damit nicht direkt der gesamte Karteninhalt aufgedeckt wird.

Als Neuling beginnt spätestens jetzt der erste Frust, denn die Aufgaben sind nicht immer präzise formuliert und die Logik bleibt schnell auf der Strecke. Wichtig ist, wirklich jede Karte aufmerksam zu lesen und die Spielbox unter die Lupe zu nehmen. Übrigens dürfen die Spieler auch keine Farbsehschwäche haben. Einige Karten werden erst im späteren Verlauf des Spiels wichtig, was der Spieler aber nicht vermutet. Wirklich enttäuschend ist die Übersetzung des Spiels. Einige Texte lesen sich holprig und Anweisungen werden aus den Karten nicht immer sofort ersichtlich – das führt unvermeidlich zu Frust. Es fehlen auch präzise Angaben, was genau zu tun ist. Alles ist sehr schwammig formuliert. An einer Stelle soll beispielsweise ein Luftschacht geöffnet werden, den man vergeblich sucht, bis klar wird, dass damit eine mit einem Gitter bedruckte Karte gemeint ist.

Eigentlich sind die Elemente des Spiels simpel aufgebaut, aber wenn man komplexere Strukturen gewöhnt ist, fällt einem das Umdenken schwer. Auf der anderen Seite sind die eigentlichen Rätsel nicht ganz ohne. Ohne Papier und Bleistift sind einige nur schwer zu lösen und ganz bitter ist, wenn sogar eine Taschenlampe genutzt werden soll, um schlecht sichtbare Stellen der Spielbox einsehen zu können. Das macht dann kein Spaß. Im schlimmsten Fall ruckeln und zuckeln die Mitspieler an der Spielbox herum, die irgendwann auch instabil wird.

Nach etwa zwei Stunden Frust waren wir nur zur Hälfte durch und hatten kaum noch Lust weiterzuspielen. Schlimm war, dass die richtig knackigen Rätsel erst noch kommen sollten. Zugegeben, irgendwann haben wir direkt die Lösungskarten herausgesucht, um schnell durch das Dickicht zu gelangen. Dabei wollten wir eigentlich unseren Kopf einsetzen, aber Frust und Herausforderung liegen bei Break In Alcatraz einfach zu dicht beieinander.

Erlöst werden die Spieler nach mehreren Stunden mit multiblem Enden – eine wirklich schöne Idee, die ich nicht erwartet hätte. Allerdings ist dann auch klar, dass Break In Alcatraz wirklich nur einmal gespielt werden kann. Ist es durchgespielt, sind alle Elemente bekannt, denn variable Wege oder Alternativrätsel gibt es nicht. Für einen Preis zwischen 20 und 30 Euro ist das ganz schön happig. Wiederspielwert = 0 In Zeiten von knappen Ressourcen ist das nicht mehr zeitgemäß.

Fazit

Break In Alcatraz lässt mich als Spieler enttäuscht zurück. Idee und Artwork sind spitze aber das Spielprinzip ist holprig. Die Spieler müssen wirkliche Fans solcher Rätsel sein, aber man weiß eben auch nicht genau was einen beim Kauf erwartet. Würden wir jetzt ein weiteres Spiel aus der Serie beginnen, hätte wir den Vorteil, die Grundelemente zu kennen. Dem Spiel fehlt also ein deutlich besseres Tutorial oder vielleicht wäre hinter dem QR-Code auch ein Einstiegs-/Tutorialvideo besser gewesen. Theoretisch hätte das Spiel interaktive Elemente über das Handy mitnutzen können, denn es wird empfohlen die Karten einfach abzufotografieren, wenn mehrere Personen mitspielen und gleichzeitig miträtseln wollen. Hier hätten die Autoren von Anfang an anders denken können. Wirklich schade, der Abend hätte schöner sein können.

 

5.0

Redakteur

Overall rating

Verpackung
8.5
Anleitung
2.0
Spielspass
4.0
Positiv
  • Kreatives Spielbrett
    Story
Negativ
  • Mangelnde Einleitung
    Übersetzungsfehler
    Schwierige Rätsel
About author

Chris

Christian Thieme ist Fotograf, Journalist und PR-Berater. Der gebürtige Niederrheiner wurde in Wesel geboren und hat mit sechs Jahren seine Leidenschaft für Computerspiele entdeckt. Sein erstes System war der Commodore Amiga 500 gefolgt von einem 486er DX 40. Sein liebstes Genre sind Point & Click Adventures.

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