Let the devil out – Marvel´s Daredevil Staffel 3 – Spoilerfrei

Matt Mudock ist zurück, doch die Ereignisse der ersten beiden Staffeln und der Miniserie „The Defenders“ haben deutliche Spuren hinterlassen. Matt ist ein gebrochener Mann, verzweifelt, schwer verwundet und von seinem Glauben abgekommen. Er wacht mehrere Wochen nach den Ereignissen aus „The Defenders“ in dem Waisenhaus auf, in dem er nach dem Tod seines Vaters aufgewachsen ist. Seine schweren Verletzungen schränken seine Sinne und Fähigkeiten ein. Nicht mal mehr in der Lage alleine zurecht zu kommen, hat er nicht nur seinen Glauben an Gott, sondern auch an sich selbst verloren. Doch in der Dunkelheit gibt es auch Hoffnung. Seine quasi Ziehmutter, eine ältere Nonne, gibt ihn nicht auf, spricht ihm Mut zu und hilft ihm dabei wieder in Form zu kommen. Nahe der Verzweiflung entscheidet er sich, seinen Freunden nicht zu sagen, dass er noch lebt und seinen Weg alleine fortzufahren. Seine Freunde Foggy und Karen verarbeiten immer noch den angenommenen Tod ihres Freundes und während Foggy es nicht wahrhaben will, hat Karen das Gefühl, dass Matt doch noch am Leben ist.

Quelle: Netflix

Auf der anderen Seite steht Wilson Fisk, das einstige böse Genie aus der ersten Staffel sitzt noch im Gefängnis. Mittlerweile hat er den großen Teil der Wärter und Gefangenen auf seine Seite gezogen und plant wie er und seine Geliebte Vanessa wieder zueinander finden können. Dies ist jedoch nicht so einfach, da gegen Vanessa ein Haftbefehl wegen Mithilfe an seinen Taten vorliegt. Doch wenn man einen Mann wie Wilson Fisk in die Enge treibt, macht ihn das nur umso gefährlicher. Das ist die Ausgangssituation der deutlich düstereren dritten Staffel von Daredevil und sie verspricht mit Intrigen und viel Spannung aufzuwarten.

Quelle: Netflix

Doch nicht nur bei den Charakteren hat sich viel getan. Allgemein ist die Stimmung deutlich ernster, düsterer und erinnert oft eher an Psychothriller als an eine Superheldenserie. Der Tonus wird durch bedrohliche Musik, surreale Einbildungen und sehr düstere Kulissen untermalt. Die dritte Staffel nimmt sich viel Zeit, seine Charaktere zu beleuchten, Motivationen verständlicher zu machen und gibt jedem Charakter (egal ob auf der „guten“ oder auf der „schlechten“ Seite) Zeit richtig etabliert zu werden. Die Action kommt dabei nicht zu kurz, wird aber seltener eingesetzt. Sobald es zu einer Actionsequenz kommt zeigt die Serie, dass sie genau weiß, was Daredevil-Fans sehen wollen. Handgemachte, gut choreografierte und wenig überzogene Action mit dem Mut auf viele Schnitte und hektische Kamerabewegungen zu verzichten. Dadurch wirken die Kämpfe geerdet und brachialer als bei anderen Marvel-Kollegen.

Schauspielerisch bedienen sich alle Akteure eines sehr hohen Niveaus an Schauspielkunst. Egal ob die bereits bekannten oder komplett neue Charaktere, jeder liefert seinen einzigartigen Beitrag zu dem Gesamtbild der Serie. Dabei ist der Spagat zwischen dem comichaften Klischees und glaubwürdiger Darstellung von „normalen“ Menschen wirklich schwer. Weswegen ich kurz betonen möchte, wie überrascht ich war, dass alle Charaktere bei mir Emotionen hervorrufen konnten und auch Verständnis für die Motivation und Charakterentwicklung glaubhaft rüberbringen konnten.

Quelle: Netflix

Ihr merkt schon, ich bin begeistert von der dritten Staffel, obwohl ich mit etwas völlig anderem gerechnet hatte. Die Macher haben es also geschafft mir etwas zu geben, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich es haben will. Daredevil Staffel 3 ist für mich eine mehr als gelungene Fortsetzung zu den bisher ebenfalls sehr gelungenen Staffeln. Somit eine ganz klare Empfehlung für Comic- und Daredevil-Fans. Auch Neulinge im Superheldengenre oder Interessenten sollten sich die Daredevil Serie von Netflix anschauen und ihr die Chance geben sie in ihren Bann zu ziehen.