Bild: Twigames

Wenn Überleben zur Entscheidung wird

30. August 2026
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Wenn Überleben zur Entscheidung wird

30. August 2026

Quartalszahlen und Spiele-Pipeline

Embracer wächst und sortiert sich neu

Bei Embracer Group stehen die Zeichen weiterhin auf Umbau. Der schwedische Spielekonzern hat seine Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 vorgelegt und berichtet dabei erstmals getrennt über die beiden Geschäftsbereiche Fellowship Entertainment und Embracer. Die neue Struktur ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur geplanten Abspaltung von Fellowship Entertainment im Kalenderjahr 2027.

 

Umsatz wächst, Verluste gehen zurück

Finanziell verliefen die Monate April bis Juni besser als im Vorjahresquartal. Der Umsatz stieg um 24 Prozent auf 3,943 Milliarden Schwedische Kronen. Organisch entspricht das einem Wachstum von 33 Prozent. Beim operativen Ergebnis blieb Embracer mit einem EBIT von minus 79 Millionen SEK zwar in den roten Zahlen, verringerte den Verlust gegenüber den minus 272 Millionen SEK des Vorjahres aber deutlich.

Eine zentrale Kennzahl im neuen Bericht ist der sogenannte Cash EBIT. Embracer verwendet diesen künftig verstärkt, um die operative Entwicklung und den tatsächlichen Mittelabfluss für Investitionen abzubilden. Für das erste Quartal weist der Konzern einen Cash EBIT von 47 Millionen SEK aus. Ein Jahr zuvor standen hier noch minus 99 Millionen SEK. Der bereinigte EBIT stieg gleichzeitig von 18 auf 151 Millionen SEK.

Auch beim freien Cashflow gibt es Bewegung. Nach minus 383 Millionen SEK im vergleichbaren Vorjahreszeitraum erreichte Embracer nun drei Millionen SEK und damit knapp positives Terrain. CEO Phil Rogers spricht deshalb von einem Quartal, das über den internen Erwartungen gelegen habe. Für das gesamte Geschäftsjahr hält der Konzern an seiner Prognose von mindestens einer Milliarde SEK Cash EBIT fest.

 

Gothic und Mobile Games liefern ihren Beitrag

Einen deutlichen Anteil an der Entwicklung hatte der Geschäftsbereich Embracer, zu dem unter anderem das PC- und Konsolengeschäft gehört. Hier verweist der Konzern auf die Veröffentlichung von Gothic 1 Remake und die anhaltende Nachfrage nach REANIMAL. Auch das Mobile-Geschäft habe sich gegenüber dem Vorjahr bei Umsatz und Profitabilität verbessert. Als einen der Treiber nennt Embracer das CrazyLabs-Spiel Sled Surfers.

Fellowship Entertainment musste dagegen mit einem ruhigeren Veröffentlichungszeitraum umgehen. Der Umsatz des Segments sank um 23 Prozent auf 810 Millionen SEK. Im Vorjahresquartal hatte insbesondere Kingdom Come: Deliverance II einen größeren Beitrag aus dem Spielekatalog geliefert. Gleichzeitig investiert Fellowship bereits in kommende Produktionen, wodurch der Cash EBIT des Bereichs leicht negativ ausfiel.

 

Dawn of War und Metro warten in der Pipeline

Für Spieler dürfte deshalb vor allem der Blick auf die kommenden Monate interessant sein. Warhammer 40,000: Dawn of War 4 ist inzwischen für den 3. Dezember und damit für das dritte Geschäftsquartal vorgesehen. Ebenfalls in Arbeit befindet sich Stage Tour von RedOctane Games. Embracer hebt dabei den Community-Ansatz des Projekts hervor und verweist auf die Reaktionen bei der San Diego Comic-Con.

Zwei weitere Veröffentlichungen sollen das Ende des laufenden Geschäftsjahres prägen. Metro 2039 von 4A Games und Tomb Raider: Legacy of Atlantis sind für Februar 2027 vorgesehen. Nach Angaben von Embracer erreichte Metro 2039 nach seiner Ankündigung innerhalb kurzer Zeit eine Million Einträge auf Wunschlisten. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Quartalsberichts war außerdem vorgesehen, das Spiel auf der Gamescom in Köln einem spielbaren Publikum zu präsentieren.

Auch darüber hinaus füllt sich die Pipeline. Für das Geschäftsjahr 2027/28 nennt Embracer unter anderem das nächste Spiel der Kingdom-Come-Reihe von Warhorse Studios sowie Darksiders 4 von Gunfire Games. Hinzu kommt Tomb Raider: Catalyst von Crystal Dynamics in Zusammenarbeit mit Flying Wild Hog und Eidos Montréal.

 

Warhorse blickt nach Mittelerde

Gerade bei Warhorse Studios dürfte die Neugier groß sein. Im Mai hatte Embracer bekannt gegeben, dass das Studio hinter Kingdom Come an einem neuen Spiel arbeitet, das in Mittelerde angesiedelt ist. Details zum Projekt hält das Unternehmen bislang zurück. Für Fellowship Entertainment zeigt die Zusammenarbeit jedoch, welche Rolle bekannte Marken und erfahrene Studios künftig innerhalb der neuen Konzernstruktur spielen sollen.

Denn die Abspaltung von Fellowship Entertainment ist mehr als eine Änderung auf dem Organigramm. Der Bereich soll als eigenständiges, auf Marken und Unterhaltung ausgerichtetes Unternehmen aufgebaut werden. Ab dem Geschäftsjahr 2027/28 plant Fellowship einen Rhythmus von mindestens zwei größeren eigenen Spieleveröffentlichungen pro Jahr. Publishing und Lizenzgeschäfte sollen dabei ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

 

Embracer will schlanker werden

Parallel möchte Embracer selbst schlanker und flexibler werden. Nach Verkäufen, Kostensenkungen und der Reduzierung laufender Projekte sieht die Konzernführung insbesondere im PC- und Konsolengeschäft wieder bessere Voraussetzungen für profitablere Veröffentlichungen. Daneben gehören Mobile Games, Distribution, Retro-Spiele, Filme sowie Remakes und Remaster weiterhin zum Portfolio.

Dass der Umbau Spuren hinterlassen hat, zeigen allerdings auch die Beschäftigtenzahlen. Zum Ende des Quartals arbeiteten 4.991 Menschen für die Gruppe. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 6.261. Die Zahl der Spieleentwickler sank innerhalb eines Jahres von 4.552 auf 3.564. Gleichzeitig reduzierte sich die Zahl der laufenden Spieleprojekte von 106 auf 72.

Finanziell verfügt der Konzern aktuell über ein Polster. Ende Juni lag die Netto-Cash-Position bei rund 3,5 Milliarden SEK. Zusätzlich läuft ein Aktienrückkaufprogramm mit einem Umfang von bis zu 750 Millionen SEK, von dem bis zum Ende des Quartals rund 100 Millionen SEK genutzt worden waren.

 

Zwischen Neuordnung und Spieleoffensive

Embracer befindet sich damit weiterhin zwischen Neuordnung und neuer Spieleoffensive. Nach Jahren mit Übernahmen, Verkäufen, Studioschließungen und Kostensenkungen soll nun wieder stärker die Umsetzung der vorhandenen Projekte in den Mittelpunkt rücken. Gothic 1 Remake liefert dafür einen ersten Beitrag. Mit Metro 2039, neuen Tomb-Raider-Projekten, Dawn of War 4, Darksiders 4 und dem nächsten Spiel von Warhorse stehen allerdings noch einige deutlich größere Prüfungen auf dem Kalender.

(Quelle: Embracer Group)