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26. August 2026ANBERNIC RG40XX H im Test – Einer der besten Retro-Handhelds unter 100 Euro?
26. August 2026
Zehn Jahre auf der Spur eines Rätsels
The Mystery of Oak Island
Seit mehr als zwei Jahrhunderten ranken sich Geschichten um einen verborgenen Schatz auf Oak Island. Visionaire Studio macht daraus ein klassisches Point-&-Click-Adventure mit drei spielbaren Figuren, mehr als 100 Schauplätzen und einer ungewöhnlich langen Entstehungsgeschichte. Auf der Gamescom 2026 gab Geschäftsführer Thomas Dibke Einblick in das Projekt.
Eine Insel vor der Küste der kanadischen Provinz Nova Scotia, eine merkwürdige Vertiefung im Boden und die Frage, ob tief unter der Erde tatsächlich etwas verborgen liegt: Die Geschichte von Oak Island liefert seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert den Stoff für Spekulationen und Schatzsuchen. Genau dieses Spannungsfeld zwischen historischen Überlieferungen, Legenden und ungeklärten Fragen bildet die Grundlage für „The Mystery of Oak Island“.
Das Point-&-Click-Adventure von Visionaire Studio greift die reale Schatzsuche auf, erzählt darum jedoch eine eigene Mystery-Geschichte. Im Mittelpunkt stehen drei spielbare Charaktere, deren zunächst getrennte Wege miteinander verknüpft werden. Jamie Watson gerät während eines Rechercheauftrags immer tiefer in die Vorgänge um Oak Island. Parallel stößt Annie Pilgrim bei eigenen Nachforschungen auf ein altes Dokument, während Ryan Porter auf einem Schiff den Atlantik überquert. Aus den drei Perspektiven soll sich nach und nach ein gemeinsames Bild ergeben. Die offizielle Spielseite nennt mehr als 100 handgefertigte Schauplätze sowie Logik-, Inventar- und Mechanikrätsel.
Damit orientiert sich das Projekt bewusst an einer Form des Adventures, die Thomas Dibke seit seiner Jugend begleitet. Spiele wie „Monkey Island“, „Zak McKracken“ oder „Indiana Jones and the Fate of Atlantis“ waren nach seiner Darstellung nicht nur Inspiration für „The Mystery of Oak Island“, sondern ursprünglich auch ein Grund dafür, selbst Werkzeuge zur Entwicklung von Adventures zu schaffen. Als Schüler begann Dibke mit der Arbeit an der späteren Visionaire-Studio-Engine. Aus dem zunächst eigenen Werkzeug entwickelte sich eine auf Adventures spezialisierte Engine, die später unter anderem bei mehreren Spielen von Daedalic Entertainment und zahlreichen Indie-Produktionen zum Einsatz kam.
Vom Romanentwurf zum Adventure
Die Idee zu „The Mystery of Oak Island“ entstand allerdings nicht unmittelbar als Spiel. Dibke beschäftigte die Geschichte der kanadischen Insel bereits lange zuvor. Besonders die Erzählungen über die 1795 beginnende Schatzsuche blieben ihm im Gedächtnis. Zunächst begann er deshalb, den Stoff in Form eines Romans weiterzuentwickeln. Erst im Laufe dieser Arbeit entstand der Entschluss, daraus ein Adventure zu machen und die Geschichte nicht nur zu erzählen, sondern über Orte, Dialoge und Rätsel spielbar werden zu lassen.
Dieser Schritt hatte Folgen für den Umfang des Projekts. Eine 2015 gestartete Kickstarter-Kampagne brachte nach Dibkes Erinnerung rund 20.000 Euro ein. Ursprünglich war „The Mystery of Oak Island“ als Episodenspiel vorgesehen. Von diesem Konzept verabschiedete sich das Team später. Statt einzelne Teile mit möglicherweise größeren zeitlichen Abständen zu veröffentlichen, sollte das Adventure vollständig erscheinen. Hinzu kam die Entscheidung, eine deutsche und englische Sprachausgabe zu produzieren – ein Bestandteil, der in der ursprünglichen Finanzierung noch nicht vorgesehen war.
Aus einem vergleichsweise überschaubar angelegten Projekt wurde damit eine wesentlich umfangreichere Produktion. Räume mussten entworfen und umgesetzt, Texte überarbeitet und für den englischsprachigen Markt angepasst sowie Sprecher besetzt und Aufnahmen koordiniert werden. Persönliche Umstände und die Auswirkungen der Corona-Pandemie verzögerten die Arbeiten zusätzlich. Mittlerweile blickt das Team auf rund zehn Jahre Entwicklungszeit zurück. Auf Steam wird das Spiel derzeit weiterhin mit einer Veröffentlichung im Jahr 2026 geführt.
Klassische Rätsel statt Abkürzungen
Wer bei The Mystery of Oak Island auf ein stark vereinfachtes Adventure mit zahlreichen Komfortabkürzungen hofft, dürfte schnell merken, dass Visionaire Studio einen anderen Weg einschlägt. Beim Rätseldesign orientiert sich das Team bewusst an klassischen Point-&-Click-Adventures. Im Mittelpunkt stehen Kombinationen von Gegenständen, Gespräche mit anderen Figuren und Aufgaben, bei denen Objekte manipuliert oder Zusammenhänge erkannt werden müssen. Eigenständige Minispiele sollen dagegen nur dann vorkommen, wenn sie sich nachvollziehbar aus der jeweiligen Situation ergeben.
Damit grenzt sich das Projekt von Rätseln ab, die lediglich als zusätzliche Hürde zwischen zwei Storyabschnitten funktionieren. Mechanische Aufgaben oder Schalterrätsel können zwar Bestandteil des Spiels sein, sollen aber in die jeweilige Umgebung und Handlung eingebunden bleiben. Das Vorbild dafür liefern klassische Adventures, bei denen eine Maschine repariert, ein Mechanismus verstanden oder eine bestimmte Gesprächsfolge gefunden werden muss, weil sich daraus unmittelbar der nächste Schritt der Geschichte ergibt.
Drei Figuren, mehrere Perspektiven
Zusätzliche Möglichkeiten für das Rätseldesign entstehen durch die drei spielbaren Hauptfiguren. Ihre Handlungsstränge verlaufen zunächst an unterschiedlichen Orten und werden im weiteren Verlauf miteinander verknüpft. Dadurch kann das Spiel Informationen, Gegenstände und Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven aufgreifen. Nach Angaben aus dem Gespräch verteilt sich die Handlung auf zehn Kapitel. Die einzelnen Figuren übernehmen jeweils mehrere davon.
Der Wechsel zwischen den Charakteren soll dabei mehr sein als ein erzählerischer Kunstgriff. Die räumliche Trennung erlaubt es, parallel an unterschiedlichen Teilen des übergeordneten Rätsels zu arbeiten. Hinweise, die zunächst isoliert erscheinen, können später in einen größeren Zusammenhang rücken. Dieses Prinzip passt zum Thema des Spiels. Auch die reale Geschichte von Oak Island besteht aus Fundstücken, Vermutungen und Spuren, deren Bedeutung sich häufig erst durch ihre Verbindung miteinander ergibt.
Kein Knopf zum Überspringen
Bei einem Punkt bleibt The Mystery of Oak Island besonders nah an älteren Genrevertretern: Rätsel lassen sich nach aktuellem Stand nicht überspringen. Dibke beschreibt diesen Ansatz als bewusste Designentscheidung. Ein Rätsel, das jederzeit ausgelassen werden könne, verliere aus dieser Sicht einen Teil seiner Funktion innerhalb des Spiels. Stattdessen sollen die Aufgaben so konstruiert sein, dass ihre Lösung aus der Spielwelt heraus nachvollziehbar bleibt.
Damit stellt sich allerdings auch eine zentrale Frage für ein modernes Adventure: Wie anspruchsvoll darf ein Rätsel heute noch sein, ohne den Spielfluss unnötig auszubremsen? Die Antwort des Teams liegt offenbar weniger in zusätzlichen Abkürzungen als in der Logik der Aufgaben. Gefordert werden soll nicht das zufällige Ausprobieren sämtlicher Gegenstände im Inventar, sondern das Verständnis der jeweiligen Situation.
Ganz auf ungewöhnlichere Ideen verzichtet das Spiel dennoch nicht. Gerade ältere Adventures sind auch deshalb in Erinnerung geblieben, weil manche ihrer Lösungen ausgesprochen eigenwillig waren. The Mystery of Oak Island versucht, diesen Spielraum beizubehalten, ohne die Nachvollziehbarkeit vollständig aufzugeben. Zwischen logisch eingebetteten Aufgaben kann deshalb durchaus Platz für Lösungen bleiben, die zunächst nicht offensichtlich sind.
Zeitdruck ohne Genrewechsel
Neben klassischen Inventar- und Dialogrätseln experimentiert das Team auch mit Situationen, in denen Zeitdruck eine Rolle spielt. Dabei soll nicht zwangsläufig ein sichtbarer Countdown über den Bildschirm laufen. Stattdessen können Musik, Inszenierung und Handlung den Eindruck vermitteln, dass eine Figur schnell reagieren muss – etwa wenn jemand in einen Raum zurückkehrt, während der Spieler dort noch nach einem Ausweg sucht.
Solche Passagen erweitern das bekannte Point-&-Click-Schema, ohne das Spiel in ein Action-Adventure zu verwandeln. Der Kern bleibt das Beobachten, Kombinieren und Schlussfolgern. Die Spannung entsteht nicht aus schnellen Reflexen, sondern daraus, unter veränderten Bedingungen die richtige Lösung zu finden.
Dibkes eigene Adventure-Vergangenheit ist in diesen Entscheidungen deutlich erkennbar. The Mystery of Oak Island versucht nicht, die Genreklassiker lediglich äußerlich nachzuahmen. Vielmehr übernimmt das Projekt einige ihrer grundlegenden Prinzipien: Rätsel sollen ein fester Bestandteil der Handlung sein, Lösungen dürfen Denkarbeit verlangen und der Weg zum nächsten Abschnitt gehört ebenso zum Spiel wie die Geschichte selbst.
Damit schließt sich auch der Kreis zur Schatzsuche, die dem Adventure zugrunde liegt. Wer auf Oak Island nach Antworten sucht, findet sie nicht auf direktem Weg. Hinweise müssen untersucht, Verbindungen hergestellt und Irrwege ausgeschlossen werden. Genau dieses Prinzip soll auch das Spiel tragen – nicht die schnelle Abkürzung, sondern die schrittweise Annäherung an ein größeres Rätsel.



