
Ein Königreich beginnt im Stall
27. Juli 2026
Storytime auf der PAX West
28. Juli 2026
Ein Königreich beginnt im Stall
27. Juli 2026
Storytime auf der PAX West
28. Juli 2026
Forschung zwischen Blöcken und Bergwerken
Minecraft ruft zum Einsatz in Freiberg
In Freiberg stimmt etwas nicht. Ein rätselhafter Kristall bedroht die Stadt, wissenschaftliche Fragen warten auf Antworten und ohne Zusammenarbeit dürfte die Lage kaum zu retten sein. Was wie der Auftakt zu einem Fantasy-Abenteuer klingt, ist Teil eines neuen Bildungsprojekts der TU Bergakademie Freiberg. Mit „Countdown Freiberg“ verlegt die Universität ihre Forschung in die Blockwelt von Minecraft.
Das nicht kommerzielle Online-Spiel richtet sich an Jugendliche ab etwa 14 Jahren. Statt trockener Lehrbuchseiten wartet eine zusammenhängende Geschichte mit 13 Quests. Die Spielenden werden dabei selbst zu Mitgliedern eines Forschungsteams und müssen Aufgaben lösen, Entscheidungen treffen und gemeinsam herausfinden, was hinter dem geheimnisvollen Kristall steckt.
Im Mittelpunkt stehen Themen, die eng mit der Arbeit der Freiberger Universität verbunden sind. Dazu gehören Rohstoffe, Kreislaufwirtschaft, nachhaltiger Bergbau und neue Technologien. Diese Inhalte werden jedoch nicht in langen Texttafeln abgefragt. Sie sind Teil der Handlung und sollen sich aus den Aufgaben, Gesprächen und Erkundungen innerhalb der Spielwelt ergeben.
Für den nötigen Wiedererkennungswert wurden reale Orte aus Freiberg digital nachgebaut. Spielende besuchen unter anderem das Forschungs- und Lehrbergwerk Reiche Zeche sowie Schloss Freudenstein mit der Mineralienausstellung terra mineralia. Wer Freiberg kennt, dürfte einige Schauplätze wiedererkennen. Wer die Stadt bislang nur vom Namen her kannte, erhält zumindest einen kantigen ersten Rundgang.
Die Universität setzt dabei nicht lediglich auf eine frei begehbare Minecraft-Karte. „Countdown Freiberg“ wurde mit einer eigenen Handlung und professionell gestalteten Quests entwickelt. Abenteuer, Teamarbeit und wissenschaftliche Inhalte sollen ineinandergreifen, ohne dass sich das Spiel wie eine digitale Unterrichtsstunde mit Spitzhacke anfühlt.
„Mit ‚Countdown Freiberg‘ holen wir Wissenschaft in die Lebenswelt junger Menschen – dorthin, wo sie spielen, entdecken und Entscheidungen treffen“, erklärt Rektorin Prof. Dr. Jutta Emes. Zukunftsfragen sollen nach ihrem Verständnis nicht nur vermittelt, sondern von jungen Menschen verstanden und aktiv mitgestaltet werden.
Hinter dem Projekt steckt auch der Versuch, neue Wege bei der Nachwuchsgewinnung zu gehen. Die TU Bergakademie Freiberg möchte Jugendliche über eine vertraute Spielwelt für Forschung, Innovation und möglicherweise auch ein späteres Studium interessieren. Unterstützung soll dabei unter anderem von bekannten Minecraft-Content-Creatorn kommen, die das Projekt über die Region hinaus bekannt machen sollen.
„Countdown Freiberg“ kann auf dem PC sowie auf Smartphones und Tablets gespielt werden. Voraussetzung ist eine eigene Minecraft-Lizenz. Schulen erhalten ergänzende Unterrichtsmaterialien, mit denen sich die Quests in unterschiedlichen Fächern einsetzen lassen. Damit soll das Abenteuer nicht nur zu Hause, sondern auch im Unterricht funktionieren.
Entwickelt wurde das Spiel von der Zentralen Transferstelle der TU Bergakademie Freiberg im Rahmen des Projekts 4transfer gemeinsam mit der Agentur NORDSONNE IDENTITY. Gefördert wird es durch die Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“. Eine offizielle Verbindung zu Mojang Studios oder Microsoft besteht nicht.
Ob „Countdown Freiberg“ tatsächlich Interesse an Rohstoffen und Kreislaufwirtschaft weckt, dürfte sich erst im praktischen Einsatz zeigen. Der Ansatz ist jedoch nachvollziehbar: Wer junge Menschen für Forschung gewinnen möchte, kann sie in ein Labor einladen – oder das Labor dorthin bringen, wo bereits gebaut, entdeckt und gemeinsam getüftelt wird.
