LAST DAY OF JUNE

  • Story
  • Grafik
  • Gameplay
  • Spieldauer
  • Spasskator

Wer sagt eigentlich, dass Indie-Studios keine guten Spiele abliefern können? Entwickler Ovosonico und Publisher 505 Games haben jedenfalls ein kleines Meisterwerk geschaffen.

Viel meckern können wir nicht. Was das italienische Indie-Studio Ovosonico unter der Leitung von Videospielveteran Massimo Guarini mit Last Day of June abliefert, kann sich wirklich sehen lassen. Die Geschichte des tragischen Liebespaars Carl und June über Liebe und Verlust fesselt von Beginn an und schickt den Spieler auf eine emotionale Achterbahnfahrt „deluxe“. Der ungewöhnliche Artstyle und die toll inszenierte Musik tragen mit Sicherheit dazu bei. Aber genug geschwärmt, ran an die harten Fakten!

Die Story

Es sei nur so viel verraten: Carl und June leben in einem idyllischen Dorf an der Küste. Die wenigen Bewohner sind allesamt – sagen wir mal – in ihrer Art einzigartig. Es gibt einen Großwildjäger mit Hund und Vaterkomplex, eine unglücklich Verliebte, einen frechen kleinen Jungen und einen alten Mann, der mit einem Rückenleiden kämpft. Alle sind sie mit den Geschicken von June und Carl verwoben. Nach und nach schlüpfen wir in die Haut der Bewohner und können deren Blickwinkel und deren individuelle Geschichte erleben. Wir möchten hier nichts spoilern, können euch aber versichern: die Story ist wirklich erlebenswert!

Die Grafik und die Technik

Die Grafik und der Artstyle von Last Day of June sind Indie-typisch… anders. Die Welt von June und Carl wirkt wie mit Wasser- oder Aquarellfarben gemalt. Alle Figuren, mit ihren übergroßen Köpfen und den fehlenden Augen, wirken sowohl gespenstisch als auch liebenswert. Die wechselnde Beleuchtung und die fantastische Musik von Steven Wilson tragen zur Atmosphäre des Spiels bei, mal dunkel und deprimierend, im nächsten Moment knallbunt, fröhlich und wunderschön. Hier gibt es wirklich nichts zu bemängeln.

Das Gameplay

Wer Rätsel mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Wir bewegen uns durch verschiedene Beine der „Hose der Zeit“. Das heißt, jede Entscheidung die wir treffen, hat Auswirkungen auf alle anderen Geschichten der Dorfbewohner. Beschließen wir etwa, dass der kleine Junge mit dem alten Mann einen Drachen steigen lässt, hat das eine direkte Auswirkung auf die Geschichte der unglücklich Verliebten. So heißt es recht oft um die Ecke denken, was uns hier und da schon einmal zur Verzweiflung gebracht hat. Das Spiel gibt nämlich, wenn überhaupt, nur sehr subtile Hinweise wie es weitergeht. Daher finden wir auch die fehlende Möglichkeit die häufigen Zwischensequenzen zu überspringen etwas nervig. So manche Sequenz sahen wir über zehnmal.

Das Fazit

Last Day of June ist auf jeden Fall einen Blick wert. Selbst für Spieler, die sich sonst mit ganz anderen Genres befassen. Die mitreißende Story und der ungewöhnliche Artstyle sind Grund genug, die rund 20 Euro bei Steam zu investieren. Mit drei bis vier Stunden Spielzeit ist Last Day of June zwar perfekt zur Überbrückung eines verregneten Nachmittags, für den Preis allerdings doch etwas zu kurz geraten. Am Ende haben wir jedenfalls ein Tränchen verdrückt. Wenn das nicht Lob genug ist…